Auf Bildungsfahrt mit dem WWK nach Polen

Die diesjährige Bildungsfahrt des Werdauer Wirtschaftskreises führte uns vom Himmelfahrtsdonnerstag, 13. Mai 2010, bis zum Sonntag nach Polen in die schlesische Metropole Breslau, das heutige Wroclaw. In rascher Fahrt brachte uns der Bus des Reiseunternehmens Hühn über die Autobahn A4 zunächst bis nach Görlitz, der östlichsten Stadt unseres Landes. Bei einem geführten Stadtrundgang lernten wir den Reiz dieser Stadt kennen, die sich uns mit mittelalterlichen Gassen, prachtvollen Fassaden, Hallenhäusern im Renaissance-Stil und dem größten zusammenhängenden Gründerzeit-Jugendstilviertel Europas präsentierte.

Beim Kaffee am Nachmittag auf dem historischen Obermarkt mit Blick auf die Dreifaltigkeitskirche und wunderschön restaurierte Gebäude auf dem Marktplatz muss man als Betrachter ganz einfach dankbar dafür sein, dass hier nicht die sozialistische Abrissbirne gewütet hat und seit der Wende beträchtliche finanzielle Mittel in die Restaurierung geflossen sind.

Unsere Fahrt ging am Nachmittag weiter auf der Autobahn bis nach Wroclaw (Breslau), wo wir im Parkhotel Plaza in der Innenstadt Quartier bezogen und beim gemeinsamen Abendessen den ersten Tag ausklingen ließen.

Am Freitagmorgen erwartete uns eine sehr versierte Reiseleiterin namens Emilia zu einer Fahrt ins Riesengebirge bei leider regnerischem Wetter. Auf dem Programm stand zuerst die Besichtigung der mittelalterlichen Stabholzkirche Wang in Brückenberg bei Krummhübel, heute Teil der polnischen Stadt Karpacz. Die Kirche Wang wurde 1841 vom preußischen König aus der südnorwegischen Ortschaft Vang erworben und im Riesengebirge wieder aufgebaut. Sie ist aus norwegischem Kiefernholz gefertigt und reich mit Schnitzereien versehen. Beim Bau wurden keine eisernen Nägel benutzt. Nach einem kleinen Stadtrundgang in Jelenia Gora (Hirschberg) besichtigten wir die eindrucksvolle evangelische Friedenskirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ in Swidnica (Schweidnitz), die zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Schlesiens gehört. Sie befindet sich seit dem Jahr 2001 auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco und gilt als größte Fachwerkkirche in Europa. Die Innenausstattung wurde im Stil des Barock gehalten, als Baumaterial durften nur Holz, Lehm und Stroh verwendet werden. Die Kirche hat eine Fläche von 1.090 qm und bietet 7.500 Personen Platz.

Der zweite Abend klang aus bei gutem Essen mit Live-Musik in einem Jazz-Lokal in Breslau. Am Sonnabend erkundeten wir vormittags mit unserer Führerin Emilia mit Bus und zu Fuß die Metropole Breslau. Der erste Halt war an der Jahrhunderthalle. Der damalige Stadtbaurat Max Berg wurde mit dem Entwurf der Halle beauftragt, und nach einer Rekordbauzeit von nur 20 Monaten fand 1913 die Jahrhundertausstellung aus Anlass des 100. Jubiläums des Aufrufes von Friedrich Wilhelm III. zum Kampf gegen Napoleon und zur Befreiung von Fremdherrschaft statt. Seither ist die Halle ein wichtiger Treff- und Veranstaltungsort der Breslauer, in dem Konzerte, Schauspiele, Opern, Messen, Ausstellungen und Sportveranstaltungen durchgeführt werden.

Unsere Tour führte uns weiter in die Innenstadt auf die so genannte Dominsel, wo wir den Breslauer Dom, die Kathedrale St. Johannes des Täufers, besichtigten. Die Bazylika Archikatedralna sw. Jana Chrzciciela wurde von 1244 bis 1341 im Stil der Gotik errichtet. Sie ist eines der Wahrzeichen Breslaus, und die beiden Türme überragen mit jeweils knapp 98 m weithin sichtbar die Stadt. Wir erhielten Zutritt zu den 3 Kapellen des Doms – Elisabethkapelle, gotische Kapelle und Kurfürstenkapelle.

Anschließend führte uns die Reiseleiterin zum Museum der Breslauer Universität, die nach ihrem Stifter, Kaiser Leopold I., den Namen Leopoldina erhielt. Im Jahre 1702 wurde hier der Universitätsbetrieb eröffnet. Wir besichtigten die Aula Leopoldina, die heute für offizielle und universitätsöffentliche Anlässe regelmäßig genutzt wird, und den Musiksaal, das Oratorium Marianum. Unser Stadtrundgang endete auf dem Marktplatz. Bei diesem Stadtrundgang durch Breslau spürten wir überall die lange Geschichte dieser Stadt. Am Nachmittag blieb noch genügend Zeit für weitere individuelle Erkundungsgänge. Der Abend klang aus mit einem Besuch im urigen „Schweidnitzer Keller“, dem historischen Ratskeller der Stadt. Ein Breslauer Ausspruch weist auf dessen Bedeutung hin: „Wer nicht im Schweidnitzer Keller war, ist nicht in Breslau gewesen.“ Bereits im Jahr 1303 wird der Ratskeller erstmals urkundlich erwähnt und soll somit eines der ältesten Gasthäuser Europas sein. Auf dem Rückweg am späten Abend zum Hotel pulsierte das Leben in der Stadt noch überall, es war Tag des offenen Denkmals, und die Menschen standen in langen Schlangen vor den Eingängen der Museen und öffentlichen Gebäude. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war in den Außenbezirken augenscheinlich, überall hat sich Industrie angesiedelt.

Am Sonntag nach dem Frühstück rüsteten wir zur Fahrt zurück in Richtung Heimat. Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stopp in der 1.000jährigen Stadt Bautzen ein, dem kulturellen und politischen Zentrum der Sorben in der Oberlausitz, und bummelten durch die Fußgängerzone.

In vier erlebnisreichen Tagen konnten wir nur über den Tellerrand unseres östlichen Nachbarn Polen sehen, aber viele neue und interessante Eindrücke gewinnen, für einige unserer Teilnehmer war es auch eine Reise in die Vergangenheit.

Wir bedanken uns beim Vorstand des WWK für Idee und Vorbereitung dieser wortwörtlichen Bildungsreise sowie beim Busunternehmen Hühn und seinem rührigen Fahrer für deren reibungslose Umsetzung.

Barbara Pape, Mitglied des WWK
Fotos: Wolfgang Landgraf