Harzreise des Werdauer Wirtschaftskreises 2011

Auf dem Brocken

Heller wird es schon im Osten
durch der Sonne kleines Glimmen,
weit und breit die Bergesgipfel
in dem Nebelmeere schwimmen.

Hätt ich Siebenmeilenstiefel,
lief´ ich, mit der Hast des Windes,
über jene Bergesgipfel,
nach dem Haus des lieben Kindes.

Von dem Bettchen, wo sie schlummert,
zög ich leise die Gardinen,
leise küsst´ich ihre Stirne,
leise ihres Munds Rubinen.

Und noch leiser wollt ich flüstern
in die kleinen Lilienohren:
„Denk im Traum, dass wir uns lieben,
und dass wir uns nie verloren.“

Mit dem vorstehenden Gedicht aus Heinrich Heines „Harzreise“ aus dem Buch der Lieder möchte ich den Bericht über die Harzreise der Mitglieder des WWK am Wochenende vom 30.09. bis zum 03.10.2011 beginnen. Die 34 Teilnehmer – Mitglieder des WWK, deren Angehörige und Gäste, so ein Notar aus Dresden mit seinen Mitarbeitern und ein Geschäftsmann aus Armenien – erlebten vier erlebnisreiche und informative Tage bei strahlendem Sonnenschein mit einem recht umfang- und abwechslungsreichen Programm.

Am Freitag erreichten wir am späten Nachmittag nach zügiger Fahrt mit dem Bus des Busunternehmens Hühn über die Autobahnen A 9 und A 38 unser Hotel „Maritim“ in Braunlage, wo der Tag nach Zimmerbelegung mit einem gemeinsamen Abendessen endete.

Harzreise 2011

Am Sonnabend erwartete uns vormittags eine Stadtführerin in Wernigerode zu einem 2-stündigen Stadtrundgang. Wernigerode wurde 1121 erstmals urkundlich erwähnt. „Die bunte Stadt am Harz“ mit ihren restaurierten und gepflegten Fachwerkhäusern übt auf alle Harzreisenden eine magische Anziehungskraft aus und zog auch uns sofort in ihren Bann. Wir erfuhren, dass von den ca. 8.000 Gebäuden der Stadt 3.000 Gebäude Fachwerkhäuser sind. Die Perle der Stadt ist das Rathaus, ein mittelalterlicher Fachwerkbau, der 1277 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Harzreise 2011

Durch die von Touristen belebte Innenstadt mit ihren vielen restaurierten Innenhöfen und pulsierenden Geschäften bummelten wir zurück zum Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn. Sie hat mit 140 km Streckennetz das längste zusammenhängende Streckennetz Deutschlands. Die Brockenbahn brachte uns nach über 3 Stunden Fahrzeit am Nachmittag auf den höchsten Gipfel des Harzes, den 1.142 m hohen Brocken. Die kleine Dampflok schnaufte sich die 34 km unter Überwindung von über 800 m Höhenunterschied nach reichlich 3 Stunden auf den Brockengipfel. Unterwegs gab es immer wieder längere Wartezeiten, da das Bilderbuchwettetter viele andere Besucher auf den Brocken gelockt hat, die in Gegenzügen zurückbefördert werden mussten. Aber strahlender Sonnenschein und eine grandiose Fernsicht belohnten uns auf dem Gipfel für die Bummelfahrt. Der Brocken und der Harz gehören nach dem Beschuss des Ministerrates der DDR seit Oktober 1990 zum Nationalpark Hochharz.

Der Abend klang mit einem festlichen Abendessen und anschließendem gemütlichen Beisammensein im Hotel aus.

Am Sonntag erwartete uns in Thale der Teufel zu einer Wanderung in das wildromantische und sagenhafte Bodetal, das mit seinen steilen Felswänden und urwüchsigen Wäldern verzaubert. Die Bode hat sich bis zu 280 m tief in den Granit eingeschnitten. Knochige Wurzeln, versteinerte Silhouetten und unser Teufelchen mit seinen Erzählungen und Späßen machten uns deutlich, dass wir uns mitten im Sagenharz befinden. In einer urigen Wirtschaft mitten im Tal legten wir bei deftiger Erbsensuppe und Bier eine Rast ein.

Harzreise 2011

Sonntagnachmittag besuchten wir die tausendjährige Kaiserstadt Goslar. Die Stadt liegt zwischen den nordwestlichen Ausläufern des Harzes mit dem Rammelsberg und dem äußersten Südende des Salzgitter Höhenzuges. Im Jahr 1009 begann mit der ersten Reichssynode unter Heinrich II. die wichtigste Periode der Stadt als Zentral-Pfalz des Heiligen Römischen Reiches. 1024 legte Konrad II. in Goslar den Grundstein zur Kaiserpfalz. Diese Zeit als Kaiserpfalz endete 1252 / 53 mit dem Besuch Wilhelm von Hollands. Seit 1992 stehen die mittelalterliche Altstadt von Goslar und das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Heute hat Goslar 40.989 Einwohner. Uns begeisterten der historische restaurierte Marktplatz und die vielen lauschigen Gaststätten, wo wir mit vielen Besuchern – leider nur für kurze Zeit – saßen, aber unser straffes Programm ließ längeres Verweilen nicht zu. Am Montag, dem Tag der deutschen Einheit, war schon wieder der letzte Reisetag gekommen. Auf der Rückfahrt besuchten wir die Barbarossa-Höhle bei Rottleben. Mit 15.000 qm Gesamtfläche ist sie die größte Anhydrit-Gips-Höhle und die einzige touristisch erschlossene und technisch gesicherte Höhle im Kyffhäusergebirge. Die Barbarossa-Höhle bietet wie ein Zeitfenster einen Blick auf die Gesteinsschichten der Erdkruste, die vor etwa 258 Millionen Jahren im oberen Perm entstanden sind.

Zurück gekommen ans Tageslicht brachte uns unser Bus in angenehmer Fahrt wieder nach Hause. Zum Schluss danken wir dem Vorstand des WWK und dem Busunternehmen Hühn für die gute Vorbereitung und Durchführung dieser schönen Fahrt.

Barbara Pape, Mitglied des WWK

Fotos: Wolfgang Landgraf